Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur
Pro Europa – Europäischr Kulturstiftung Stiftung Lebendige Stadt
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(Anm.: Die UNESCO-Initiative ist inzwischen beendet und durch die Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel ersetzt worden.)

Anliegen

Anliegen der UNESCO-Initiative Leipzig ist die Bewerbung mit den authentischen Komponistenstätten um Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Begründung

  • Leipzig hat sich seit dem 17. Jahrhundert zu einer der führenden Musikstädte Europas entwickelt. Seine herausragende Stellung in Handel (Messe), Geistesleben (zweitälteste deutsche Universität) und Verlagswesen (weltweit ältester Musikverlag) zog Künstler, insbesondere Musiker, aus dem ganzen deutschsprachigen Raum an. Mit dem Thomanerchor und dem ältesten deutschen Konservatorium verfügt Leipzig zudem über zwei traditionsreiche Ausbildungsstätten für den musikalischen Nachwuchs.
  • Zweimal in seiner Geschichte stand Leipzig im Mittelpunkt des weltweiten Musiklebens: Im Barock mit Bach und Telemann und während der Romantik mit Mendelssohn, Schumann und Wagner. Danach setzt sich die Reihe herausragender Komponisten, die in Leipzig gewirkt haben, bis ins 20. Jahrhundert fort: Edvard Grieg, Gustav Mahler, Leos Janacek, Max Reger.
  • Die meisten Wohn- und/oder Wirkungsstätten dieser Komponisten blieben bis heute erhalten. Das ist einmalig in Deutschland und wird international nur noch von Wien übertroffen. Einzigartig in Leipzig ist jedoch die örtliche Dichte, so dass man bei einem Stadtspaziergang 300 Jahre Musikgeschichte an originalen Schauplätzen erleben kann.
  • Insgesamt entstand eine in dieser Form einmalige Konzentration von Wirken und Ort, von gelebter Musiktradition und Verlagswesen sowie von Werk und Architektur, die mit den erhaltenen authentischen Komponistenstätten ein herausragendes "musikalisches Welterbe" darstellt.
  • Ähnlich wie Weimar die klassische deutsche Literatur mit den Orten ihrer Entstehung oder Eisleben und Wittenberg Luthers Leben und Wirken verbunden haben und damit die Aufnahme in die Welterbeliste erreichen konnten, wird in Leipzig die Verbindung von "Geist und Ort" der deutschen Musik vom 18. bis zum 20. Jahrhundert an den authentischen Leipziger Musikstätten gezeigt.
  • Durch eine Aufnahme in die Liste der UNESCO könnte das Leipziger musikalische Erbe wesentlich intensiver gepflegt und im Bewusstsein einer breiten Allgemeinheit verankert werden.

Kriterien für die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste

Bei Aufnahme von Objekten in die UNESCO-Weltkulturerbelist muss mindestens eines der zehn Kriterien der "Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" erfüllt sein. Für die Leipziger Bewerbung kommen insbesondere die Kriterien Nr. III und VI in Betracht:
"Angemeldete Güter sollen ...

(III) ein einzigartiges oder zumindest außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur darstellen;
...

(VI) in unmittelbarer oder erkennbarer Weise mit Ereignissen oder überlieferten Lebensformen, mit Ideen oder Glaubensbekenntnissen oder mit künstlerischen oder literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft sein. (...)"

Danach ergibt sich für Leipzig:

("...einzigartiges ... außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition...")

  • die bis heute weitgehend erhaltenen Stätten musikalischen Wirkens bedeutender Komponisten (sog. "Komponistenhäuser") vom Barock bis zum Historismus,
  • Gebäudeensembles / originale Schauplätze von der frühen Renaissance bis zum Historismus, die 300 Jahre Musikgeschichte dokumentieren.

("...[Verknüpfung mit] künstlerischen oder literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung...")

  • die Verbindung von "Geist und Ort" durch den Bezug der deutschen Musik von Barock und Romantik auf die gleichsam durch eine "Notenspur" verbundenen authentischen Leipziger Musikstätten,
  • die jeweilige Verbindung von Werk und Gebäudeensemble ähnlich den Luther-Welterbestätten Eisleben und Wittenberg,
  • die universelle Bedeutung des Musikschaffens der Leipziger Komponisten und damit die außerordentliche kulturhistorische Bedeutung ihrer Wirkungsstätten und der Orte ihrer wissenschaftlichen Erforschung auch für zukünftige Generationen.

Bewerbungsumfang

Die kulturgeschichtlich wichtigsten Güter sind:

Die sog. "Komponistenhäuser"

  • Bosehaus / Bachmuseum – Barock; Wohnhaus der mit Bach befreundeten Kaufmannsfamilie Bose
  • Mendelssohn-Haus – Klassizismus,
  • Schumann-Haus - Klassizismus,
  • Grieg-Begegnungsstätte - Neorenaissance; Haus des damals bekannten Musikverlegers Peters, Wohn- und Komponierstätte Griegs,

Außerdem

  • Thomaskirche und Nikolaikirche - beide rom./got. Ursprungs; die Uraufführungs¬kirchen Bachscher Werke,
  • Kaffeehaus "Zum Arabischen Coffe Baum" – Renaissance/Barock; ältestes Kaffeehaus der Deutschlands, Treffpunkt der "Davidsbündler" um Robert Schumann und geistiger Mittelpunkt der "Neuen Zeitschrift für Musik".
  • Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" – Neoklassizismus; Wirkungsstätte Max Regers

sowie ggf.

  • Wohnhaus G. Mahlers – Historismus; im "Waldstraßenviertel", einem der größten Flächendenkmale in Deutschland.
  • Alte Nikolaischule – Renaissance; Schule Richard Wagners,
  • Gedächtniskirche Leipzig-Schönefeld - Klassizismus; Hochzeitskirche von Clara und Robert Schumann

Ergänzende UNESCO-Programme

Außer dem Welterbeprogramm ("World Heritage" - Weltkulturerbe u. Weltnaturerbe, Konvention von 1972) sind für die Musikstadt Leipzig zwei neuere UNESCO-Programme relevant:

  • "Memory of the World" (Weltdokumentenerbe von 1992); Leipzig könnte die Aufnahme der Bach-Autographen beantragen,
  • "Creative Cities Network" (Netzwerk der Kreativstädte von 2005); Leipzig könnte den Titel "City of Music" als Gütesiegel für sein aktuelles Musikleben beantragen

Historie der UNESCO-Initiative

Projektentstehung

Die UNESCO-Initiative Leipzig geht auf zwei unabhängig voneinander entstandene Projekte zurück, die 2007 zusammengeführt wurden:

  • Pflege der Leipziger Bach-Stätten und des Bach-Erbes. Hierbei steht die Thomaskirche mit Bachs Grab im Mittelpunkt. Hinzu kommen Bacharchiv und –museum als wissenschaftliche Forschungsstätten. (Initiator R. Manertz)
  • "Leipziger Notenspur"-Projekt. Das Anliegen dieser Initiative besteht darin, den Zusammenhang von 300 Jahren Leipziger Musikgeschichte anhand der authentischen Komponistenstätten erlebbar und im Stadtbild durch eine "Notenspur" sichtbar zu machen. (Initiator W. Schneider)

Projektunterstützung

Die UNESCO-Initiative wird nicht nur von den beteiligten Leipziger Komponistenstätten, sondern auch von wichtigen Persönlichkeiten des kulturellen Lebens unterstützt, so z.B. Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly, Thomaskantor Georg Christoph Biller, Opernintendant und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer und MDR-Chefdirigent Kristjan Järvi.

Projektchancen

Eine Bewerbung mit den durch die Notenspur verbundenen authentischen Musikstätten ist wie bei keinem anderen Denkmalsobjekt Leipzigs aussichtsreich:

  • Musikbezogene Kulturorte sind in der Welterbeliste bisher unterrepräsentiert – eine Darstellung mehrerer authentischer Wirkungsstätten von Komponisten mit Weltrang aus unterschiedlichen musikalischen Epochen ist nur in Wien und Leipzig möglich,
  • Musik mit ihrer universellen Sprache ist im besten Sinne völkerverbindend. Der Schutz dieses Kulturgutes dürfte deshalb auch international auf besonders hohe Akzeptanz treffen.

Projektphasen

Mai 2006: Vorschlag des Notenspur-Initiators an Oberbürgermeister und Kulturbürgermeister, sich mit den authentischen Stätten der Leipziger Notenspur um Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste zu bewerben, Vorschlag assoziiert mit drittem Anlauf zur Verwirklichung des Notenspur-Projektes

September 2007: Zusammenführung der auf die Thomaskirche bezogenen UNESCO-Initiative mit der auf die authentischen Komponistenstätten der Notenspur bezogenen UNESCO-Initiative und Weiterverfolgung des notenspurbezogenen Ansatzes

Herbst 2007: Vorgespräche mit der Deutschen UNESCO-Kommission und der Beauftragten der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland beim UNESCO-Welterbekomitee

Juli 2008: Grundsatzbeschluss des Leipziger Stadtrates zur Unterstützung der UNESCO-Bewerbung

Wintersemester 2008/2009: Kooperationsprojekt mit der Brandenburgischen Technischen Hochschule Cottbus, Masterstudiengang "World Heritage Studies" zur Untersuchung des Bewerbungspotenzials Leipzigs

September 2009: Vorstellung des Bewerbungskonzeptes beim Freistaat Sachsen

Oktober 2009: Bildung eines Ausschusses aus UNESCO-Initiative Leipzig, Kulturdezernat Leipzig und beteiligten Institutionen

31.1.2012: Einreichung eines förmlichen Antrags der Stadt Leipzig beim Freistaat Sachsen zur Einreichung bei der Kultusministerkonferenz der Länder, Antragstitel: "Leipziger Notenspur - Stätten europäischer Musikgeschichte"; insgesamt zehn sächsische Bewerbungen

26.6.2012: Nominierung von Leipziger Notenspur und Gartenstadt Dresden-Hellerau als sächsische Vorschläge für die Tentativliste der Bundesrepublik Deutschland

12.06.2014: Empfehlung der Kultusministerkonferenz, statt einer Bewerbung für die UNESC0-Welterbeliste eine Bewerbung um das neugeschaffene Europäische Kulturerbe-Siegel zu favorisieren