Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur
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Meinungen

    Aus einem Interview, veröffentlicht im FRIZZ:

    Geführt von Volly Tanner mit Ann-Helena Schlüter:

    Ann-Helena Schlüter gehört zu den Klassikstars der Jetztzeit. Die Vielreisende mit deutsch-schwedischen Wurzeln kommt im Dezember ins Helheim, um mit Volly Tanner auf Tanners Terrasse Weihnachten zu feiern. Dabei hat sie auch noch ein Büchlein im Pianokoffer.

    V.T.: Hallo Ann-Helena Schlüter. Sie treten im Dezember (2013- d. Red.) in Leipzig auf – obwohl die ganze Welt nach Ihrem Fingerspiel auf dem Piano verlangt. Wieso denn Leipzig? Was haben wir, das andere nicht haben?

    A.H.SCH.: Leipzig ist für mich eine der wichtigsten Musik- und Kulturstädte Deutschlands, da Johann Sebastian Bach und viele andere Musiker und Künstler hier gearbeitet, komponiert und gespielt haben. Jeder sollte sich mal die Zeit nehmen, der Notenspur in Leipzig komplett zu folgen. Ich habe das gemacht, was mich mit allen dazugehörigen Museumsbesuchen zirka sieben Stunden gekostet hat – wobei ich mich auch oft verlaufen habe, muss ich sagen. Der Notenspur war nicht so leicht zu folgen, fand ich. Auf jeden Fall habe ich während der Notenspur oft weinen müssen, weil es so berührend ist, was für begabte, kreative, geniale Menschen in Leipzig tätig waren, ohne dass die Leipziger oder viele andere Deutsche es überhaupt wirklich wissen.

    V.T.: Zum Beispiel?

    A.H.SCH.: Nehmen wir allein Grieg, der einige Monate in Leipzig lebte, die ersten Musikverlage, die bis heute existieren, Mendelssohns erste Musikhochschule, die Orchesterarbeit, Schumanns Werke und sein Wohnort und Leben mit seiner Frau, der Friedhof beim Grassi Museum – und doch am meisten natürlich die Thomaskirche. Johann Sebastian Bach ist für mich einer der größten Künstler überhaupt, seine Musik ist virtuos, symbolisch, zeitlos, tief, komplex, klug, geistlich, berührend, demütig, bahnbrechend. Ich wüsste zudem keinen Künstler, dessen Leben bis zu seinem 65. Lebensjahr so eindrücklich und vorbildlich war. Nicht, dass er keine Fehler gemacht hat oder sündlos war, er war trotz seiner Genialität ein ganz normaler Mensch mit Kämpfen und Wirren, jemand, der nicht aufgab, der sich mit der Stadt rumgeplagt hat um jeden Pfennig, um seine Musik anständig aufführen zu können. – Ich spüre die Geschichte in der Luft, wenn ich in Leipzig bin, und ich bin sehr inspiriert insgesamt, wenn ich in dieser Stadt übe, schreibe – oder schon durch die Stadt laufe. Leipzig hat also eine Menge, was andere Städte nicht haben. 

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